Die Hoffnung der Flüchtlinge auf Heimkehr erkennen, stärken und realisieren – Jetzt!

Leserbrief v. 23. 10.15 an DIE ZEIT zum Artikel:
Die Grenzen des Guten, DIE ZEIT Nr. 42 v.15. 10.15, S. 6
Mich stellt nicht zufrieden, dass nunmehr auch in „Die Grenzen des Guten“ längst durchgekaute Rezepte, die Flüchtlingswellen, wohl immer unter Wahrung des Grundgesetzes, abzuschwächen, stets aufs Neue durchgerührt werden. Die wirklich brauchbaren Mittel liegen ungenutzt in der Zukunft und müssen nur beherzt angepackt werden.
Was sollte unsere Regierung tun? Sie müsste die Flüchtenden schon auf dem Wege hierher, ggf. in deutschen Konsulaten, nach ihren materiellen Verlusten – Hausrat, Grundstücke, Wohnungen etc. – befragen und möglichst gleich alle verfügbaren Unterlagen mit deutlichem Hinweis auf spätere rechtliche Unterstützung gegenüber künftigen Regierungen, z.B. im Hinblick auf Wiedergutmachungsansprüche, sicherstellen. Das wird sich unter den zur Flucht Bereiten schnell herumsprechen und die Flüchtlinge davor bewahren, ihre Unterlagen gleich ins Meer zu schmeißen. Wo alle Unterlagen fehlen, wird man durch sorgfältiges Befragen von Zeugen weiterführende mündliche Angaben überprüfen. Die Menschen, die alles verloren haben, würden ihr Misstrauen verlieren und Selbstachtung zurückgewinnen, ja, zu diesem frühen Zeitpunkt wieder Hoffnung schöpfen, irgendwann einmal in die Heimat zurückkehren zu dürfen. Der Druck auf unser Land könnte sich umkehren und die Rückwanderung einsetzen. Frau Merkel (Die Grenzen des Guten) weiß ja, dass wissenschaftliche Untersuchungen sehr vielen Flüchtlingen, vielleicht sogar den meisten, den Wunsch nach Rückkehr in ihre Heimat bestätigen. Diese Hoffnung muss durch das überzeugende Auftreten einer Regierung neu belebt werden, die sich als Anwalt für all die in unter ihrem Schutz stehenden Flüchtlinge begreift. Sie muss allen beteiligten Mächten klar machen, dass sie sich nicht etwa nach der Aufnahme so vieler Flüchtlinge zufrieden zurücklehnt, sondern aktiv zu deren Gunsten eingreift und die volle Verantwortung für die Durchsetzung aller Rechte wahrnimmt. Sie ist daher als deren Sprecher maßgeblich an allen künftigen Friedensverhandlungen zu beteiligen, wenn es darum geht, ihrer in Deutschland hockenden Klientel nach Rückkehr in die Heimat zu ihren alten Rechten oder entspr. Entschädigungen zu verhelfen. Das könnte – muss aber in unseren turbulenten Zeiten nicht einmal – sehr lange dauern. Diesmal müssen Parlament und Regierung wachsam bleiben. Die deutsche Regierung kann verhindern, dass nach Konsolidierung neuer staatlicher Strukturen das Eigentum der Flüchtlinge ersatzslos von irgendeiner neuen Regierung eingesackt wird. Wer immer diese führen wird, muss sich zu der Möglichkeit einer massiven Rückwanderung keineswegs Entrechteter – so z.B. nach Syrien – positiv bekennen.
Mit der Menge der in Deutschland untergebrachten Flüchtlinge verfügt jede Bundesregierung über ein einmaliges, ein riesiges Druckpotential, das von unserer Diplomatie gegenüber den USA, Russland, einer syrischen Regierung etc. energisch eingesetzt werden muss, um die Ansprüche der ihnen Anvertrauten auch durchzusetzen. Prof. Dr. Jörgen Bracker, Hamburg, Museumsdirektor i.R.