Zu dem Roman „Die Reliquien von Lissabon — Störtebekers Vermächtnis“

HAMBURGER ABENDBLATT — 26. Juli 2008

Der ausgewiesene Hanse-Kenner Jörgen Bracker hat nach dem erfolgreichen Roman-Debüt „ZEELANDER“ seinen zweiten Seefahrer-Roman veröffentlicht: „Die Reliquien von Lissabon — Störtebekers Vermächtnis“. Darin entführt er den Leser in die dunkle Welt des Mittelalters. Erneut segelt er auf den Spuren von Claus Störtebeker über die Meere — diesmal weit über die Nord- und Ostsee hinaus in südliche Gefilde ...

Die Geschichte ist eine Reise durch das Europa des beginnenden 15. Jahrhunderts: Hamburg 1401. Kurz nach Störtebekers Gefangennahme und angeblicher Hinrichtung gelingt es dem Hamburger Ratsherrn Nikolaus Schoke, ein weiteres Mitglied der berüchtigten Vitalienbrüder dingfest zu machen. Unmittelbar vor der öffentlichen Enthauptung bittet Goedeke Michel den Ratsherrn um die Erfüllung einer Mission: Die Knöchelchen des Heiligen Vincentius, welche den Vitalienbrüdern vom Halse gerissen wurden, müssen an ihren Ursprungsort ... zurückgebracht werden ... Getarnt als einfacher Seemann, heuert (Schoke) auf einem Piratenschiff an, geht als Pilger den Jakobsweg und landet sogar als Missionar auf den Kanaren ... Man schickt ihn weiter nach Lissabon, wo er endlich die Wahrheit über die Reliquien erfährt ...

NEUE KIRCHENZEITUNG — 20. Juli 2008

„Goetke Michel hef en schone kercke to Lissabon gebowet, da he by dem Koninge von Portegal in grotem ansehn gewesen ...“ ... Seeräuber als Kirchenstifter? Jörgen Bracker, der Historiker, räumt Vorurteile beiseite: „Als Piraten und Verbrecher erscheinen die Vitalienbrüder in der Propaganda der Hanse. In Wirklichkeit waren sie Söldner, die mit Kaperbriefen in fürstlichem Auftrag Seekriege führten ... Nicht einmal wilde Seeleute wie Goedeke Michel kamen ohne den Heiligen Geist aus. Auch sie wollten stiften, gute Werke tun und damit für ihr Seelenheil vorsorgen. Und sie wollten ihren Feinden demonstrieren: Wir sind nicht schlechter als Ihr.“

HAMBURGER MORGENPOST — 24. Juni 2008

Es ist der Störtebeker-Mythos, dem sich Jörgen Bracker verschrieben hat, denn der legendäre Seeräuber und seine Vitalienbrüder „stehen für die größte Krise der Hanse im Mittelalter“. Mit den „Reliquien von Lissabon“ hat er ... bereits den zweiten historischen Abenteuerroman geschrieben. Darin soll der Ratsherr Nikolaus Schoke ein Gelübde einlösen, das ihm der Kaperfahrer Goedeke Michel auf dem Schafott abgenommen hat. Das führt ihn inkognito auf eine abenteuerliche Reise über die Meere, auf der er unversehens selbst zum Seeräuber wird ...

RADIO ZUSA — 7. Mai 2008

In seinem Roman „Die Reliquien von Lissabon“ erzählt er die Geschichte des Hamburger Ratsherrn Nikolaus Schoke, der sich im Auftrag des todgeweihten Goedeke Michel auf eine gefährliche Seereise begibt ...

... die Reise des Ratsherrn ... ist (durch Quellen) belegt. Rund um diese historischen „Seezeichen“ hat Jörgen Bracker kenntnisreich einen faszinierenden und fantasievollen Roman geschrieben, ein mittelalterliches Roadmovie zur See. Wer sich für Seefahrt interessiert, wird das fundierte Wissen des Autors über die traditionelle Seemannschaft zu würdigen wissen. Und es ist ihm ein besonderes Kunststück gelungen: Dies ist ein historischer Roman, der Männer begeistern wird.

NDR-KULTURJOURNAL — Dr. Paul Kersten — 19. Mai 2008

„Die Reliquien von Lissabon“ ist der zweite Seeräuberroman von Jörgen Bracker. Der Archäologe und Hansespezialist will keine Mythenbildung. Er setzt auf exakte Recherche. Ihm geht es um die Balance zwischen geschichtlichen Fakten und schriftstellerischer Phantasie. Und diese Balance hält er mit Spannung.

AMAZON.DE — Ronald Funck — 31. Oktober 2008

„Weder im Jahre 1400 noch davor oder danach ist auf dem Hamburger Grasbrook ein Mann namens Störtebeker hingerichtet worden.“ (Dr. Jörgen Bracker)

Vorbildlicher historischer Roman ... Unter der Frage „Wahr oder wahrscheinlich?“ zieht der Autor in seinem Nachwort eine saubere Trennlinie zwischen historischen Ereignissen und seinen Fiktionen, indem er u.a . bekennt, dass es für ihn immer wieder galt, der Fantasie Einhalt zu gebieten.

Mit seinem zweiten Roman beweist er erneut, dass geschichtliche wahre Begebenheiten und Umstände genug Möglichkeiten bieten, zu einer spannenden Handlung verwoben zu werden. Zu Beginn gibt es eine Schilderung von Goedeke Michels Rückkehr aus Norwegen und dessen Gefangennahme im August 1402. Auf der Richtstätte wird dem einstigen Mitstreiter Störtebekers kurz vor seiner Hinrichtung am 22. September Gelegenheit zu einer Ansprache gegeben. Anschließend bittet er den angesehen Hamburger Ratsherrn Nikolaus Schoke, ein geheimes Gelübde, das er selbst nun nicht mehr einlösen kann, stellvertretend zu erfüllen. Während der für das folgende Jahr verbrieften Reise Schokes macht der Leser mit einer Vielfalt wohl dosierter historischer Begebenheiten und anderer Fakten Bekanntschaft:

Die als Piraten geächtete Bruderschaft der Likedeeler stand ursprünglich mit Kaperbriefen ausgestattet in Diensten von Königen, Fürsten und Städten. Als „Söldner zur See“ brachen sie Blocken von Stockholm, Lissabon und versorgten die eingeschlossene Stadtbewohner mit Vitualien (S. 54). Der Absetzung des letzten Plantagenets Richard II. (1399) folgte Heinrich IV. als König von England. Dieser beanspruchte wie seine Vorgänger nicht nur auch die Krone Frankreichs, sondern ließ auch noch Schiffe des Deutschen Ordens kapern (S. 124). Der Beginn der Eroberung der Kanarischen Inseln durch den im Dienste Kastilliens stehenden normannischen Adligen Jean de Béthencourt im Jahre 1402 (S. 133 ff.) und der Umgang mit den unterworfenen Ureinwohnern, den Guanchen (S. 200). Luis de Guardafía, der als letzter Eingeborener über sein Königreich Titeroygatra (Lanzarote) herrschte (S. 229).

Das andauernde Schisma mit einem Gegenpapst in Avignon (S. 199). Die Judenpogrome im Jahre 1391 (S. 215). Heinrich III. von Kastiliens Krieg um die portugiesische Erfolge, in deren Verlauf der Großmeister des geistlichen Avis-Ritterordens, Dom Joao, zum König und Begründer einer neuen Dynastie wurde (S. 285). Nebenbei lernt der Leser die unterschiedlichen Bootstypen, wie Holk (S. 127), Galeote (S. 192) kennen. ...

Dem bereits zitierten Nachwort, in dem der Autor u. a. auch nachweist, dass Störtebeker noch 1413 gelebt hatte, folgen ein Verzeichnis weiterführender Literatur, ein Glossar mit Begriffen und Orten, ein weiteres mit Personen (in dem die nichthistorischen schraffiert geschrieben sind) und die Abbildung einer historischen Landkarte. Abschließend ist der Auffassung des Autors, dass er zusammen mit dem Leser — mit fester Hand am Ruder — zwischen Historie und Vorstellungsvermögen steuernd, gemeinsam am Roman-Ziel angelangt ist, nichts mehr hinzuzufügen. 4 ½ Amazonsterne für einen vorbildlichen Roman, der sich wohltuend von der Masse der Genreromane abhebt und seinen, vom hanseatischen Murmann Verlag verliehenen Attribut „historisch“ voll und ganz gerecht wird.

VORWÄRTS.DE — Kai Doering — 17. Dezember 2008

Ein echter Lesegenuss für Seebären und Landratten ... Seeräuber, Störtebeker und viel Meer, das ist der neue Roman von Jörgen Bracker, in „Die Reliquien von Lissabon“ erzählt er eine phantastische Abenteuergeschichte mit einem wahren Kern. Ein Buch, das man vor lauter Spannung nicht wegzulegen vermag. ...

Auf gut 350 Seiten entfaltet Jörgen Bracker vor dem Leser eine phantastische Welt von Verrat, Entdeckerdrang und Seefahrerromantik. Wer über den etwas schleppenden Beginn der ersten Seiten hinweggelesen hat, wird das Buch so schnell nicht wieder aus der Hand legen können. Allerdings sind „Die Reliquien von Lissabon“ nicht nur leichte Lesekost, sondern besitzen auch einen ziemlichen Nährwert. Der Rahmen, in dem die Geschichte spielt, ist ebenso real wie die meisten Personen. Was wahr und was nur wahrscheinlich ist, klärt der Autor auf den letzten sechs Seiten auf — lang genug, um die Hintergründe aufzuzeigen, und kurz genug, um den Roman nicht zum Lehrbuch werden zu lassen.

Die fundierten nautischen Kenntnisse des früheren Direktors des Museums für Hamburgische Geschichte werden an den maritimen Wendungen und Fachbegriffen deutlich, die den gesamten Roman durchziehen. Das ausführliche Glossar zu Personen und Begriffen trägt ... sehr zum Verständnis bei und sorgt dafür, dass der Roman ein echter Lesegenuss ist — für Seebären ebenso wie für Landratten.

ALGARVE. Das deutschsprachige Monatsmagazin 07/2009 — Dr. Susanne Schöttmer — Juli 2009

Vorab: „Störtebekers Vermächtnis“ — mit diesem Untertitel landet ein Werk mit großer Wahrscheinlichkeit in der Abteilung Jugendbuch. Zudem wäre der Seufzer „schon wieder ein Störtebeker-Buch“ nur allzu verständlich. Wer auch immer sich diesen ganz überflüssigen Zusatz hat einfallen lassen, der hat dem Buch keinen Gefallen getan. Obendrein ist der Untertitel auch noch falsch. Der gute alte Seeräuber Störtebeker, Traumfigur aller kleinen Jungs, kommt nämlich nur posthum vor, als einer der „Vitalienbrüder“, die nach — auch im Auftrag von Landesherren — getaner Arbeit eingefangen und hingerichtet wurden. Aus deren Schatz übernimmt sein Freund Goedeke Michel die „Reliquien von Lissabon“, ein Armreliquar. Bevor der Henker zuschlägt, vertraut er sie, um ein Gelübde zu erfüllen, dem Hamburger Ratsherrn Nikolaus Schoke an, und schickt diesen auf eine große Reise, um sie an ihren rechten Ort zu bringen.

Aus dem nordischen, mittelalterlichen, „gotischen“ Hamburg über London in den Süden Spaniens, schließlich nach Lissabon, und wieder zurück zu seiner verehrten, ehrbaren und fanatisch frommen Gattin führt die Reise. Das bedeutet bei Bracker eine fast überbordende Fülle von Episoden, Milieuschilderungen, seemännischen Erfahrungen und handelnden Personen. Es gibt ein echtes und ein gefälschtes Reliquar, echte und falsche Priester, Christen, Juden und Araber, Mord und Totschlag (mit einem fliegenden Weihrauchkessel und mit dem — echten oder falschen — Reliquar), Schurken und gute Freunde, Träume und das „zweite Gesicht“ ...

Die Reise als Odyssee — nicht nur dieses gern benutzte Schlagwort ist hier stimmig, sondern auch der Aufbau des Buches erinnert an Homers Epos (eigentlich schade, dass kaum einer sich gern an seine Griechischstunden erinnert). Die Abfolge der einzelnen „Geschichten in der Geschichte“ lässt den Leser auch an einen abendfüllenden Film denken — oder an einen Dreiteiler im TV-Abendprogramm. Sie ermöglicht es ihm übrigens auch weitgehend, an einem der sieben Abschnitte in die Lektüre einzusteigen: Spannung garantiert!

„Die Reliquien von Lissabon“: auch ein hintergründiges Buch mit der Atmosphäre der Bilder von Hieronymus Bosch oder mancher Werke von Ensor, ganz dicht etwa in der Heimkehr-Szene, als die über alles geliebte Tochter eben einem brutal beschriebenen Exorzismus zum Opfer gefallen ist.

Zurück zu den Fakten: empfehlenswert ist auch die aufmerksame Lektüre des Nachwortes „Wahr oder wahrscheinlich?“, der Hinweise „weiterführende Literatur“ und des umfangreichen Glossars zu Begriffen, Orten und Personen. Jörgen Bracker ist eben nicht nur ein fulminanter Geschichtenerzähler, er ist auch „in der Wolle gefärbter“ Historiker und last not least Schipper ...

Zu dem Roman „Zeelander“

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG — 27. März 2006

... „Gottes Freund — aller Welt Feind“ hieß die Hamburger Ausstellung, die Bracker 2001 kuratierte, entsprechend dem Selbstverständnis der Vitalienbrüder. Der Museumsmann versucht auch in seinem jüngst vorgelegten Roman „Zeelander“, die Störtebeker-Zeit von Mythen zu entschlacken. Er erzählt, was historisch belegt ist ...

STERN.DE — 16. März 2006

Klaus Störtebeker ist der bekannteste deutsche Seeräuber. Dem kopflosen norddeutschen Volkshelden hat Jörgen Bracker seinen neuen Roman gewidmet. Ohne Mythen und Märchen bleibt er bei der historischen Wahrheit.

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