Reaktionen und Rezensionen

14.08.2016 – Rezension zu SPIELMANNS FLUCH!,

 

17. 10.2015 – Rezension zu SPIELMANNS FLUCH!, mabuerele in lovelybooks:

„…Und zum Dritten geht es um die gewissenlosen Propagandisten im Stadtrat, weil sie sich für Geld die hehrsten Begründungen für Waffenlieferungen in Spannungsgebiete ausdenken…“

Wir schreiben das Jahr 1620. In Vierlanden melkt Jonas die Kühe seines Bruders, als es an das Tor hämmert. Es ist die Wirtin vom Zollenspieker mit ihren Leuten. Sie wurden überfallen und der Vater der Wirtin schwer verletzt. Jonas ahnt, das die Angreifer auch auf den Hof seines Bruders kommen werden und lässt sich eine geschickte Verteidigungsstrategie einfallen.

Als der Festungsbaumeister van Valckenburgh einen Boten sucht, fällt ihm der pfiffige Bauernjunge auf.

Der Autor hat einen spannenden historischen Roman mit sehr aktuellen Bezügen geschrieben. Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.

Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Jonas hatte das Johanneum, die Lateinschule, besucht. Er wollte eigentlich in Prag Theologie studieren. Doch wegen seines dunklen Aussehens und seiner zweifelhaften Herkunft wurde er gemieden. Eine Verleumdung sorgte dafür, dass er die Schule verlassen musste. Nun arbeitet er auf dem Hof seines älteren Bruders. Gerade in den Zeiten der Gefahr zeigt sich, dass er ein kluges Köpfchen ist.

In Hamburg lernt Jonas den jungen Spielmann Vaclav kennen und lieben. Das stellt ihn bald vor schwierige Entscheidungen.

Der Festungsbaumeister van Valckenburgh ist eine historische Person. Er ist Calvinist und von Moritz von Oranien beauftragt, Hamburg durch eine Mauer vor Kriegseinwirkungen zu schützen.

Der Roman zeugt von umfangreicher und exakter Recherche des Autors. Das Geschehen vor 400 Jahren weist durchaus Parallelen zur Gegenwart auf. Und genau die wurden gekonnt herausgearbeitet und thematisiert. Während Valckenburgh der Stadt den Frieden erhalten will, paktiert ein Teil der politisch Verantwortlichen und wirtschaftlich Herrschenden mit den Spaniern. Sie sehen ihre Chance darin, durch Waffenlieferungen Hab und Gut zu mehren. Dabei ist man durchaus bereit, beide Kriegsparteien zu beliefern. Gier siegt über Menschlichkeit. Hinzu kommen die auftretenden Spannungen in der Stadt. Neben den Katholiken und den Lutheraner nimmt die Zahl der Calvinisten zu, die aus anderen Teilen des Reiches nach Hamburg geflohen sind. Die aber sind unerwünscht.

Der Schriftstil des Buches ist ausgefeilt. Gleich zu Beginn bedient sich der Autor einer kurzschrittigen und abgehackten Sprache, um Angst und Unruhe auch durch das Wort deutlich zu machen. Bei der Beschreibung der Landschaft, der Stadt Hamburg und der Schiffsreisen dagegen findet er treffende Metapher. Zu den Höhepunkten des Buches gehören für mich die Gespräche zwischen van Valckenburgh und Jonas. Wenn der Baumeister ihm erklärt, dass es manchmal besser ist, auf Rache zu verzichten, weil jeder Tote neuen Hass weckt, dann war das nicht nur für die ferne Vergangenheit eine weise Aussage. Die Entwicklung der Protagonisten wird sehr feinfühlig dargestellt. Während Vaclav über detaillierte Rachepläne nachdenkt, hat Jonas van Valckenburgh und Anna, die Gefährtin seiner Kindheit, an seiner Seite, die ihm nicht nur notfalls den Kopf zurecht rücken, sondern auch eine neue Chance geben. Die Emotionen werden einerseits durch passende Worte, andererseits durch Taten dargestellt. Wut und Enttäuschung, Zuneigung und Verrat, Freude und Gemeinschaftssinn durchziehen mehr oder weniger die Handlung. Dem Autor gelingen Sätze, über deren tiefgründigen Inhalt es sich lohnt, nachzudenken. Obiges Zitat stammt von Jonas, der im Auftrage von van Valckenburgh Wege gegen den Waffenschmuggel finden sollte.

Im Nachwort trennt der Autor Fiktion von Realität. Ich war positiv überrascht, wie viele Fakten der Geschichte belegbar sind.

Weiterführende Literaturhinweise und eine Übersicht über Personen und Ereignisse ergänzen das Buch.

Das Cover mit dem Lautenspieler vor dem in zarten Farben gehaltenen maritimen Hintergrund passt gut zur Handlung.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. In einer fesselnden und abwechslungsreichen Handlung hat der Autor nicht nur eine Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg verarbeitet, sondern geschickt aufgezeigt, dass Geldgier eine der entscheidenden Kriegstreiber ist. Hat die Menschheit daraus gelernt??

 

 

22. 10. 2015 Rezension, Svanvithe schreibt in Lovelybooks:

Jonas träumt und beim Öffnen der Augen wird er mit einem Anblick belohnt, „den ein Traumbild nicht hätte übertreffen können: Er sah in das liebreizendste Gesicht einer weiblichen Gestalt – es wollte Verheißungen erzählen und doch nicht jedes Geheimnis preisgeben. Es war umrahmt und teilweise verhängt von goldblonden Spirallocken, die wie Kaskaden einer kleinen, domistizierenden Quelle über die Wangen und Ohren auf die Schultern und den üppigen Busen hinabrauschten.“ (Seite 55) – Kein Wunder, dass Jonas der liebenswürdigen Schönen (zunächst) verfällt. Auch wenn ihn anfangs das Gewissen drückt, ist Riecke doch Valckenburghs Freundin. Aber da er – wie ich annehme – noch keinerlei Erfahrung diesbezüglich mit dem anderen Geschlecht hat, ist er leicht zu verführen. Bis er erkennt, dass er einem Trugbild aufgesessen ist, die Riecke nicht die junge prachtvolle Schönheit ist, die sie glauben gemacht hat.

Und dann lernt er Václav kennen, „schlank und licht wie eine Birke, schmal der Kopf, blass und ernst das Gesicht – eher grüblerisch. Die großen Augen, tiefdunklen Seen gleich“ verraten unter einer „hohen Stirn verhaltene Traurigkeit“ (Seite 103) – Und mir kommt es so vor, dass dieses Mal besonders die Musik auf Jonas verführerisch wirkt, er verzaubert ist. Allerdings muss ich gestehen, dass mir das zwischen den beiden etwas zu schnell ging. Den inneren Zwiespalt, in den Jonas ob seiner Liebe zu Václav gerät, finde ich jedoch nachvollziehbar. Ebenso wie seine Angst, dass Riecke droht, die „stille Sünde“ offenbaren und folglich anzeigen zu wollen. Verständlich, dass sich Jonas den zu erwartenden Folgen – Tod auf dem Scheiterhaufen – nicht aussetzen will.

Ich habe zudem den Eindruck, dass Václav Jonas verunsichert. Alles das, von dem er glaubte, so und nicht anders müsse es sein, wird ad absurdum geführt. Und nur darum erkläre ich mir auch, dass Jonas zum willenlosen Instrument des Spielmanns wird. „Jonas erging sich in geradezu kritikloser Bewunderung für den vielseitigen Virtuosen und sehnte jeden Abend und jede Nacht herbei, um immer wieder neue – nicht nur musikalische – Überraschungen in Václavs Armen zu erleben.“ (Seite 114) – Das passt irgendwie gar nicht zum sonst energischen jungen Mann. Aber Liebe macht bekanntlich blind, und im Fall von Jonas unterdrückt sie auch die ihm eigene Persönlichkeit. Und doch ist die Hoffnung, dass er aufwacht, nicht verloren. „Ihm dämmerte, dass er vor dem Wind in eine falsche Richtung segelte.“ (Seite 117)

Ansonsten steht es fest, dass es einen Zusammenhang zwischen einem Relief und Jonas gibt. Nicht nur weil das Abbild darauf im sehr ähnlich sieht, liegt eine Verbindung nahe. Auch wurde er in seinem Körbchen in der Nähe dieses Holzstückes gefunden. Ich bin aber doch froh gewesen, als die Ähnlichkeit von Schwarzem Reiter und Jonas als Schauspieler nicht auffällt, nachdem die Maskerade missglückt. Der Tollen Christian war einfach zu sehr auf das Stück und deren Aussage fixiert.

Der Herzog durchaus ergriffen, was das Geschehen in Vierlanden betrifft, und er übernimmt persönlich die Schuld daran. Das hat mich überrascht, damit hätte ich nicht gerechnet. Jonas scheint es ebenso zu gehen.

Zwei schöne Formulierungen:

„Sie… schauten über die Elbe, deren leichte Wellen wie Tausende kleiner Flämmchen das flach einfallende Sonnenlicht widerspiegelten und einen geruhsamen Tag versprachen.“ (Seite 62)

„DIE DUNKELHEIT LEUGNETE den Beginn des Tages. Eine Wolkendecke bis zum Horizont drückte jeden Tatendrang zu Boden.“ (Seite 85)

Nach wie vor gefällt mir die Verwendung von nicht geläufigen Ausdrücken:

– wenn der Salzkahn auf den Steg zuschwoit (Seite 64)
– Anna knötert (Seite 66)
– die Dramaturgie ein unauffälliges Kompartiment erfordert (Seite 68)
– eine muntere Intrade (Seite 95)

Gelungen finde ich besonders auch die Einarbeitung des historischen Hintergrundes. Gerade Hamburg als „Waffenkammer“ war für mich neu.

16.09.2015 – KULTUR.PORT- Claus Friede, Rezension zu Jörgen Bracker SPIELMANNS FLUCH  (Auszüge)     

„Der Autor, der 26 Jahre Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte war, hat neben einem fundierten historischen Wissen, guten Recherchemöglichkeiten auch die ganz besondere Fähigkeit Sachverhalte miteinander zu verweben und genug Raum für Phantasie zu lassen. So liegt dem Roman folgender wahrer historischer Kern zu Grunde: Eine Revolte der Prager Calvinisten und der Fenstersturz (1618) beenden die Rekatholisierung Böhmens durch König Ferdinand. Vertrieben durch die Katholische Liga flieht der calvinistische Anführer der Protestantischen Union, der in Böhmen neu gewählte Herrscher, ‚Winterkönig‘ Friedrich, 1621 aus Prag nach Hamburg und findet Unterkunft im Hamburger English House. Nur Wochen später folgt in Prag die Hinrichtung der 27 Mitglieder des Böhmer Landtages (Calvinisten). Kämpfe und gerichtliche Verfahren um Elbregulierung auf Hamburger Landgebiet (1620) erschüttern die Hansestadt ebenso wie der Religionskrieg. Philipp III. von Spanien stirbt 1621. Ihm folgt der erzkatholische Philipp IV., der den langjährigen Waffenstillstand mit den vom rechten Glauben abtrünnigen Generalstaaten sofort kündigt und damit einen Boom ohne gleichen auf dem Hamburger Waffenmarkt entfesselt. Ein Jahr später explodiert am 2. Juli 1622 auf der Neumühlener Reede ein Waffenschmuggler mit 37 Besatzungsmitgliedern und Hamburger Kaufleuten an Bord.

Brackers Erfindung sind die agierenden Figuren und deren individuelle Verwicklungen im täglichen Leben jener kriegerischen Jahre. Sie wirken in seinem Roman weder zeitlich entrückt, noch artifiziell, vielmehr sind sie verständlich und menschlich in ihrem Handeln. Und doch gibt in seinem Schreibstil durchaus auch Verweise auf jene Zeit, in der seine Geschichte stattfindet – atmosphärisch und sprachlich. Und er fungiert quasi als ein „Märchenerzähler in homerischer Tradition“, wie es Susanna Schöttmer es einmal treffend formulierte.
Mit Raffinesse hinterlegt Bracker seine schriftlichen Doppel- und Dreifachbelichtungen: Der Dreißigjährige Krieg wütet. Das sich während der Kämpfe zwielichtig verhaltende Hamburg muss nicht nur verteidigt werden, man macht darüberhinaus parallel gerne Waffengeschäfte und wickelt diese vor den Toren der Stadt ab. Dazu kommt eine homosexuelle Liebesgeschichte, eine Prise Korruption, ein explodierendes Waffenschiff und schließlich die Geschichte des eher zierlichen, schwarzlockigen Vierländer Jungmannes Jonas, der inmitten eines Vexierbildes zu stehen scheint.

Daneben verfügt Jörgen Bracker auch über musikalisches Know-How – selbst sang er viele Jahre als Chorknabe im Schleswiger Dom – das sich mit Werken des englischen Komponisten John Dowland (1563-1626) wie ein roter Faden durch die Zeit zieht. Dowland war einer der führenden Renaissance-Musiker und seine einfühlsamen Texte und gewählte Notenskala könnten zu jener Zeit so etwas gewesen sein wie die Hits.“ – (Claus Friede)

26.10.2008 – Welt OnlineLesen:
„Historische Museen gelten bei Vielen … als eher langweilige Orte, an denen die Hüter der Vergangenheit mit zunehmenden Dienstjahren Staub ansetzen. Der frühere Chef des Museums für Hamburgische Geschichte, J. B., beweist das Gegenteil … Die Reliquien von Lissabon … Das ist Abenteuer, Kirchengeschichte und Einblick in den Alltag der hanseatischen Vorfahren, der mühsam, ungesund und unkomfortabel war.“ – (Gisela Schütte)

14.11.2008 – Rendsburger Tageblatt: Er bringt die Reliquien selbst nach Lissabon!

„Er besitzt nicht nur fundiertes Historisches Wissen, sondern ist auch ein begnadeter Erzähler. … zog die Zuhörer mitten hinein ins seeräuberische Mittelalter…“ – (Tina Jäger)

02.05.2010 – Eckernförder Zeitung:

„Einen spannungsreichen Abend veranstalteten die Reihe Lesart und die Eckernförder Stadtbibliothek … J. B. hat eine sehr bildhafte Vortragsart, man merkt seine didaktische Erfahrung …“ – (fst.)