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Flüchtende irren von Stadt zu Stadt. Wo steht die Literatur?

Der Krieg treibt sie vor sich her! Sie überqueren die Meere, Flüchtende ohne Zahl ertrinken in rottenden Booten, andere überwinden Gebirge, verbluten in Stacheldrahtzäunen, weitere irren von Stadt zu Stadt. Irrsinnige Ideen zur Vernichtung der Überlebenden werden, des Beifalls sicher, an manchen Stammtischen gerülpst. Aber es gibt Viele, sehr Viele, die helfen, mehr noch, die helfen wollen oder doch hilflos daneben stehen. Wo steht die Literatur? Spenden die achtzigtausend Romane, die Jahr um Jahr in Deutschland erscheinen, angemessen Trost?

Der historische Roman ist berufen, sich an  die eigene Brust zu schlagen. Wie oft hat er verlorene Schlachten, blutig gewonnene Siege in ‚idealisierenden Schmunzetten‘ gefeiert und damit junge Menschen verführt, sich mit Erfüllung angeblich ‚vaterländischer Pflichten‘ in den nächsten, mutwillig provozierten Krieg und in den sicheren Tod zu stürzen! Wenn dann wieder tausende, hunderttausende Flüchtlinge, Millionenheere  aufbrechen, von Land zu Land und von Stadt zu Stadt fliehen, wo steht dann die Literatur?

Der historische Roman könnte deutlicher noch als das Sachbuch die Ursachen für das Leid und Elend der Flüchtenden, der Verletzten und Sterbenden in Vergangenheit und Gegenwart bewusst machen: Durch historische Bildung lebensgefährliche  Versuche der Volksverdummung austrocknen, propagandamäßig provozierte Weltkriege enttarnen, religiös bemäntelte oder grundsätzlich verschleierte Völkermorde beim Namen nennen, die Geldgier von Waffenhändlern und die verbrecherische Mentalität von Waffenschmugglern entlarven. Der historische Roman verfügt über die Möglichkeiten des Wortes und könnte durch komparatistische Aufklärung über Vergangenes und Gegenwärtiges dazu beitragen, die scheinbar unbesiegbare Weltseuche auszurotten: das verbrecherische Weltmachtstreben mit allen Mitteln. Wir, die Autoren historischer Romane, sind aufgerufen, die Macht des Wortes zu nutzen!